Mittwoch, 14. Juni 2017

Fronleichnamspredigt Lesejahr A

Wenn ich Gäste durch unsere Klosterbibliothek führe, erkläre ich ihnen auch immer die Vier Letzten Dinge von Josef Stammel. Bei der letzten Figur - dem Himmel - befinden sich unten drei kleine Engel, die etwas symbolisieren, das uns Gott näher bringen: Der eine Engel betet, der nächste gibt a Geld (Almosen) und der dritte Engel bekommt von einem Raben Brot gebracht. Beten, Almosen geben <-- das sind Dinge, die wir auch tun und damit kommen wir klar. Doch was hat es mit dem Raben auf sich?! Es erinnert uns an Elija, der in der Wüste ist und von einem Raben Brot gebracht bekommt. Elija hat in der Wüste vielleicht ein Stück weit das erlebt, das auch das Volk Israel erlebt hat: Hunger und Durst auf langer Strecke und das in der Wüste. Wir Wohlstandschristen haben noch nie gehungert und es ist dann schon etwas peinlich für mich, wenn ich dann dieses Stückerl Brot im Schnabel des Raben seh und daran denke, dass ich beim Essen eine riesige Auswahl habe. Brot hat im Leben der Älteren von uns eine größere Bedeutung. Und wahrscheinlich kann man nur, wenn man mal echte Entbehrung erlebt hat nachempfinden, was das Volk Israel unterwegs erlebt hat und wie es das göttliche Manna wirklich als Himmelsspeise hat annehmen können.
Dennoch. Das, was wir heute feiern, geht über unsern Verstand hinaus. Es is net einfach a Brot. Heute zeigt sich unser katholischer Glaube auf besondere Weise: Wir glauben, dass Jesus Christus wahrhaftig in dieser Scheibe Brot gegenwärtig ist. Es ist nicht so als ob er da wäre, sondern er ist da. In der Heiligen Messe wird dieses einfache Zeichen des Brotes gewandelt.
Das katholischste aller Feste auch deshalb, weil keine andere Konfession (weder die Protestanten noch die Orthodoxen) dieses Geheimnis der Präsens Jesu so deutlich feiern.
In meiner hessischen Heimat war es früher so, dass die Protestanten an Fronleichnam Gülle gefahren haben und die Katholiken an Karfreitag. Heute ist das nicht mehr so. Die meisten Bauern fahren so oder so an kirchlichen Feiertagen ihre Gülle und konfessionelle Unterschiede gibt es da nicht mehr.
Es liegt mir fern hier irgendeinen Berufsstand in den Dreck zu ziehen. Nur möchte ich klar machen, dass nicht mehr die konfessionellen Grenzen zwischen Evangelischen und Katholischen unsern Kampf bestimmen sollten, sondern es geht ganz alleine darum, was für einen Platz der Herr in unserm Leben hat. Daran erinnert uns im Besonderen der heutige Tag, wo wir mit dem Allerheiligsten durch die Gemeinde ziehen und Ihn zum Seinen Segen bitten; ja mehr noch: Unsere Gemeinde, unsere Häuser Ihm übergeben. Er soll herrschen! Und für dieses Sein Gottesreich gilt es zu kämpfen.
Am heutigen Tag wird mir im Besonderen klar, dass der Herr sein Versprechen, immer bei uns zu sein, auf wunderbare Weise wahr gemacht hat. Wir haben heute, ab der Wandlung wieder die Chance auf den Eucharistischen Herrn zu schauen. Ich werde heute ein bisschen länger als sonst die Hostie hochhalten und dann schauen wir Ihn an, beten Ihn an und übergegeben wir Ihm unser Leben.
Wir schauen Ihn an, so wie die Jünger Ihn im Abendmahlssaal angeschaut haben: Lieblingsjünger, Verräterjünger, langsame Jünger, super eifrige Jünger. Sie alle saßen im Abendmahlssaal und Jesus hat sie liebend angeschaut, so wie er uns heute anschaut.

Requiem für einen Ehemann, der lange krank war

Der Lebenslauf ist heute sehr kurz gehalten, weil es nicht in Worte zu fassen ist und 
weil in diesen wenigen Sätzen klar wird, dass Sie Frau N und Du N, die wichtigsten Menschen im Leben Eures Ehemannes und Vaters gewesen seid. 
Wir Priester machen gerade im Kirchenjahr darauf aufmerksam, dass es Ostern nicht ohne Karfreitag gibt. Leben, Leid und Tod Jesu gehen seiner Auferstehung voraus. 
Am Sarg Ihres Mannes und Vaters scheint mir die umkehrte Botschaft viel wichtiger. Nach Leben, Leid und Tod kommt die Auferstehung. 
In kaum einem anderen Menschenleben zeigt sich körperliches Leid so deutlich, wie bei Ihnen in den letzten Jahren. Deshalb habe ich auch einen Text aus dem Johannesevangelium gewählt, der düsterer und trauriger nicht sein könnte: der Tod Jesu. (Joh 19,16-30)

Zwei Erfahrungen zeichnen das Leid besonders aus:
1. Da ist die Verbindung unter uns Menschen, die durch das Leid auf eine Bewährungsprobe gestellt wird. Gerade im Leid wird erfahrbar, was Familie ist. Das Eheversprechen, das sie sich vor 42 Jahren gegeben haben wird so konkret:
Ich nehme dich an, in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.

Liebe Frau N, Sie haben dieses Versprechen erfüllt. 
Und an so einem Tag wie heute, möchte ich Gott daran erinnern: Wir haben unseren Part erfüllt, jetzt erfülle du auch deinen. 
Gerade bei so einer langen Krankheit, muss man sich fragen, wo bist du Gott? Bist du nicht der Gott des Lebens, der unser Bestes will? Wie tief willst du uns noch sinken lassen?
So wie sie, Frau N, sich an das gegenseitige Eheversprechen gehalten haben oder wie du N, dich an das vierte Gebot („Du sollst Vater und Mutter ehren“) nicht nur gehalten hast, sondern über die Maßen hinaus geliebt hast, so kannst du, oh Gott, jetzt auch dein Versprechen einhalten, dass du uns nicht verlässt, dass du uns über die Maßen liebst. 
In der täglichen Sorge für Ihren Ehemann und Vater ward Ihr Boten der Liebe. Und ich möchte Euch auch bitten, bleibt Boten der Liebe. 
So wie Jesus seine Mutter dem Lieblingsjünger anempfiehlt, so sind wir auch aufeinander angewiesen. Sorgen wir über den Tod hinaus füreinander und bleiben in Gottes Liebe.

2. Ganz zum Schluss sagt Jesus im Johannesevangelium am Kreuz die Worte: „Es ist vollbracht!“ Bibeltheologen weisen uns darauf hin, dass Jesus am Kreuz wahrscheinlich Psalm 22 gebetet, der mit diesen Worten aufhört. Psalm 22 fängt aber mit den Worten an „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, die uns wiederum der Evangelist Markus überliefert hat. 

und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloí, Eloí, lemá sabachtháni?, was übersetzt ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34) 

Diese tiefste Gottverlassenheit mündet in der Hoffnung, dass es unser Herrgott irgendwie gut mit mir meint.
 Herr, ich kann es nicht verstehen, ich weiß nicht, was du mir sagen willst und warum du dich nicht zeigst. 
Dieses „Es ist vollbracht!“ würde ich im Leid erstmal übersetzen mit den Worten: „Jetzt is emål gut.“

„Es ist vollbracht!“ heisst sicher auch, dass dieses Leiden Jesu für etwas gut sein soll.
Ich glaube nicht an einen Gott, der will, dass sein Sohn am Kreuz leidet. Aber ich glaube an Gott, der uns unendlich liebt und dessen Liebe im Leid standhält, der verzeiht und dessen Liebe über den Tod hinaus bleibt.
Bleiben wir in Gottes Liebe.

Sonntag, 11. Juni 2017

Dreifaltigkeit 2017

Ich geb´s zu, ab und an vermisse ich sie auch: die gute alte Zeit. Auch liturgisch, gab es viele Dinge, die nicht mal schlecht waren; so zB die Pfingstoktav. Das heisst vor 60 Jahren hat die Kirche eine ganze Woche lang Pfingsten gefeiert. Es gab viele solcher Oktaven. Übrig geblieben ist freilich Ostern und Weihnachten. Da feiern wir jeweils eine ganze Woche das hohe Fest. Jeden Tag mit Gloria.
Die Pfingstoktav wurde abgeschafft, weil die Überlappung der einzelnen Feste einfach überhand genommen hatte. Aber warum ausgerechnet Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes.

Aber wenn ich die vergangene Woche anschaue, war es trotzdem eine Pfingstoktav für mich. Da ist der Pfingstmontag, der in den deutschsprachigen Ländern Feiertag ist und übrig geblieben ist von der Pfingstoktav. Am Pfingstdienstag trafen sich die Benediktiner Österreichs zu ihrer Kongregationswallfahrt im Stift Kremsmünster, da haben wir auch vor allem Heiliggeistlieder gesungen.
Gestern war unsere Wallfahrt nach Frauenberg. Und für mich ist Marienverehrung auch immer Heiliggeistverehrung. Zeigt sich doch an ihr, was der Heilige Geist an uns Menschen bewirkt.
Wir verehren Maria ja als Braut des Heiligen Geistes. Wir verehren sie als Mutter Jesu - Gottesmutter.
Wir verehren sie als Magd des Herrn, Tochter des Höchsten.
Da wird deutlich wie der Mensch in Gott sein kann. Und das ist und bleibt für mich die sinnigste Erklärung der Heiligsten Dreifaltigkeit. (in St. Gallen: Dies wird ja auch bei unserm Altarbild überdeutlich.)
Bei der Wallfahrt gestern bin ich nicht ganz durchgegangen. Nach der Andacht in der Wenger Pfarrkirche bin ich ins Stift, wo ich noch was erledigen musste. Dann habe ich auch geduscht und einen frischen Habit angezogen. Und schon, ja, habe ich nicht mehr so richtig zu den Wallfahrern gehört.
Einen schönen Vergleich zur heiligsten Dreifaltigkeit fand ich bei Ephrem dem Syrer. Das ist ja das Schöne, dass wir Lernende sind und gerade auch von der Kirche des Ostens lernen können. Ephrem vergleicht den dreifaltigen Gott mit der Sonne. Der Vater ist die Sonne, der Sohn das Licht und der Heilige Geist die Glut. Sonne kann man nicht ohne Licht und Glut denken. Wenn die Sonne untergeht (Tod Jesu) so kommt sie doch wieder und strahlt neu (Auferstehung). Wo sind die Strahlen der Sonne befestigt? Die Strahlen kommen auf die Erde herab. Das ist der Sohn, der unser Fleisch angenommen hat. Er hat geschwitzt wie wir - egal ob in der Werkstatt seines Vaters, in Angst und Verlassenheit auf dem Ölberg. Er ist den ganzen Weg mit uns gegangen.
Spätestens am Pfingsttag wissen wir, dass Gott nicht mehr ohne uns will. Durch uns will er das Angesicht der Erde erneuern.
Stellen wir uns in die Sonne; der Vergleich hinkt ein bisschen, wenn man meinen hochroten Schädel anschaut. Als ob man zu viel von Gott abbekommen kann.

Freitag, 12. Mai 2017

Requiem für eine tüchtige Frau

 1. Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis A
Evangelium vom Tag bzw. vom 5. Ostersonntag A
Sehr geehrter Herr N,
sehr geehrte Kinder der Verstorbenen mit ihren Familien, liebe Trauergemeinde.

Die Lesung fiel mir spontan ein, als ich sie von ihrer Frau, Mutter und Schwiegermutter habe reden hören. Das Evangelium ist das Evangelium sowohl vom heutigen Freitag als auch von diesem Sonntag.

Die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter vergleicht die tüchtige Frau mit einer Perle, die nur schwer zu finden ist. Ähnlich war ja auch ihre Frau für Sie, Herr N, ein unermesslicher Gewinn.
·        Wie sie sich ihr ganzes Leben weitergebildet hat, sich nie ausgeruht hat, immer interessiert und offen für das Neue. Einer Perle gleich.
·        Wie sie mit ihrer Präsenz, ihrem Fleiß und ihrem freundlichen Lächeln als Chefin ihren Betrieb geprägt hat. Einer Perle gleich.
·        Wie sie ein Mensch ist, der angenommen wurde von seinen Eltern. Angenommen von Gott, dem HERRN des Lebens in der heiligen Taufe als SEINE geliebte Tochter. Angenommen von ihrem Ehemann, von ihrer Familie und ihren Freunden. Einer Perle gleich.
Heute scheint es, als ob Sie diese Perle zurückgeben in die Hände Gottes. Voll Dankbarkeit, weil ihr Leben Sie reich gemacht hat, aber auch voll Wehmut, weil ihre Lebensfreude und ihr Lebensmut nun nicht mehr sichtbar in ihrer Familie aufscheint.

Das heutige Evangelium (Joh 14) spricht Jesus zu uns im Abendmahlssaal – am Vorabend seines Todes. Er wäscht seinen Jüngern die Füße und gibt ihnen so ein Beispiel des Dienens. Schonungslos klärt Jesus im 13. Kapitel des Johannesevangeliums sein Jünger auf, was sein Tod bedeutet. Verrat, Verleugnung, Todesurteil. Man kann sich richtig vorstellen, was für eine Verunsicherung im Abendmahlssaal geherrscht hat. Und jetzt kommt dann plötzlich das 14. Kapitel im Johannesevangelium und mit ihm Trost und Halt. Lasst euch nicht verunsichern im Angesicht des Todes. Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Liebe Trauerfamilie, liebe Schwestern und Brüder.
Jedes Leben ist ein Kunstwerk unseres Schöpfers. Und noch mehr… Wenn ich das heutige Evangelium richtig verstanden habe, dann ist das irdische Leben (oder wie wir Steirer sagen "Dåsige Leben") dem himmlischen Leben ganz nah. "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen."
Jesus vertröstet nicht auf ein später. Jesus sagt nicht, irgendwann mal nach der Auferstehung bin ich bei meinem Vater. Sondern das iost schon hier und jetzt der Fall. "Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist"
Beten wir in dieser Heilige Messe für Frau N N, dass sie ganz bei ihrem himmlischen Vater ist.
Und wenn sie vielleicht auch nicht im Chor der Engel mitsingt (irgendwer hat gesagt, sie könne nicht singen), so bin ich mir sicher, sie findet da oben ihr Platzerl und ihre Aufgabe. Amen.


Dienstag, 14. März 2017

Requiem in der Osteroktav - Predigt

In diesen Ostertagen hören wir jeweils Abschnitte aus allen vier Evangelien, die ganz unterschiedlich von der Auferstehung berichten. Jeder aus seiner Warte.
Es sind gerade diese Begegnungen mit dem Auferstandenen, die uns so berühren, weil jeder ganz persönlich dem HERRN begegnet.
Es sind gerade diese Begegnungen mit dem Auferstandenen, die uns so berühren, weil jeder Jünger in seiner eigenen Trostlosigkeit und Ungewissheit dem HERRN begegnet und wieder Halt und Richtung für sein Leben erhält.
Und im Angesicht des Todes scheint JESUS auch zu uns zu sprechen: „Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“
In der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten hören wir den Lebenslauf des Verstorbenen …
Der Krieg und die Nachkriegsjahre nehmen einen großen Teil des Lebenslaufs ein und ich verstehe das durchaus auch als Mahnung an uns,

Sonntag, 12. März 2017

Requiem - Predigt über das Samenkorn

Evangelium: Joh 12, 24-26

Das heutige Evangelium (Fest Laurentius) stellt das Leben des Menschen in den Zusammenhang der Weizenernte.
Es geht hier nicht darum, das Leben auf Erden gering zu achten und dann darauf zu vertrauen, dass im Himmel bei der reichen Ernte dann eh alle besser ist. Vielmehr ist im Samenkorn ja schon alles enthalten - in dieser Schlichtheit ist soviel Kraft enthalten - und es muss dann in die Erde fallen und sterben, damit es Frucht bringen kann.
Heute, am Tag des Requiems, steht das Samenkorn für alles Gute, was eure Frau und Mutter an Euch gewirkt hat und was in Euch zur Frucht geworden ist.
Heute steht das Samenkorn für euren Glauben. An einer anderen Stelle im Evangelium sagt Jesus:
Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Lk 17, 6.
Wir bitten Gott heute in der Trauer: HERR, gib uns den Glauben an dich, dass wir auf die Auferstehung hoffen, dass wir immer wieder bereit sind einander zu verzeihen.
Heute steht das Samenkorn für Jesus Christus, der für uns gestorben ist. Wir sind mit diesem Samenkorn Jesus Christus gestorben, also werden wir auch mit ihm auferstehen und teilhaben an seinem Leben.

Teresa von Avila: eine alltagstaugliche Kirchenlehrerin

Heilige Hildegard von Bingen
hl. Hildegard

Predigtreihe Kirchenlehrerinnen
2. Fastensonntag - Teresa von Avila: eine alltagstaugliche Kirchenlehrerin
Am Anfang ein kleiner Nachrichtenüberblick, was in der letzten Zeit so geschah oder geschehen wird. Drei Meldungen.
Vor gut einem Jahr hat ein Pfarrer aus der Diözese Münster angekündigt, seinen Dienst aufzugeben. Kommt vor, könnte man denken. Aber in diesem Fall war es erschütternder als sonst und hat viel Staub aufgewirbelt, da Pfarrer Thomas Frings Moderator des Priesterrates und Pfarrer einer großen, lebendigen Stadtpfarre in Münster gewesen ist. Er hat Kunstinterventionen in seiner Kirche zugelassen oder hat sich Gedanken gemacht, wie man Sakramentenpastoral neu gestalten kann. ZB hat er ein neues Modell für die Erstkommunion entwickelt: Die Kinder hatten ihr großes Fest als eine Tauferneuerung. Doch die eigentliche Erstkommunion empfingen sie eher im kleinen Rahmen in einer eher einfachen Sonntagsmesse. So hat man den Kindern vielleicht die Aufregung genommen. Das ausgerechnet er, auf den man in der Pfarre soviel Hoffnung gesetzt hat, aufgibt, hat viele erschüttert und lange beschäftigt. 
In der Tat muss man sich doch Gedanken machen, ob das alles noch richtig ist, was wir hier machen. Da kommen zB. Leute und wollen sich gegenseitig das Sakrament der Ehe spenden und wissen nichts von Jesus Christus und Glauben. Da kommen Eltern, die beide aus der Kirche ausgetreten sind und wir taufen das Kind, weil es uns von Graz so aufgetragen wird. Wie soll da der Glaube in der Familie weitergegeben werden?
Thomas Frings ist mittlerweile Postulant in einem belgischen Benediktinerkloster und hat letzte Woche sein Buch veröffentlicht. Er steht zu Christus und seiner 2000 Jahre alte Kirche. Aber er glaubt eben, dass im Moment zu viel falsch läuft und wir uns Statistiken nur schön rechen. (Buchbesprechung „Aus. Amen. Ende?“)
Gestern trafen sich in Hildesheim die Kirchenfürsten der evangelischen und katholischen Kirche Deutschlands zu einem Bußgottesdienst anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation. Auch die Staatsführung war anwesend. Es ging um Vergebung. Philosophen sagen, man kann nichts vergeben, was andere verbrochen haben. Ein Mensch kann nicht für andere um Vergebung bitten und man kann nicht im Namen anderer, die schon 500 Jahre tot sind, Verzeihung gewähren. Und hier kommt Gott ins Spiel. Deshalb finde ich solche Bußgottesdienste auch richtig, denn Gott kann das Unverzeihliche verzeihen.(Bericht NDR)
Am Dienstag treffen sich in Admont 40 hauptamtliche Mitarbeiter der Diözese Graz-Seckau im Stift Admont. Aus ihnen werden 24 ernannt (oder gesendet), die dann die neuen Regionen leiten werden.
Solche Nachrichten betreffen uns in St. Gallen auch und immer geht es bei Kirche auch darum, wie etwas weiter tragen kann und nicht nur ein Strohfeuer bleibt. Ein Gefühl des Aufbruchs, der Erneuerung oder ein gewaltiger, schöner Gottesdienst ist schnell verflogen. Wie geht es dann weiter… Ähnlich ging es ja den drei Aposteln, die mit Jesus auf den Berg gestiegen sind. Wie kann das Erfahrene sich im Alltag bewähren. Gerade bei den Apostel sieht man ja, dass das ordentlich schief gegangen ist. Petrus war auf dem Berg Tabor dabei, hat dann aber Jesus verleugnet und war nicht unter dem Kreuz. Bei ihm trug diese Verklärung nicht weiter.
Deshalb möchte ich heute Teresa von Avila als Gefährtin zu Rate ziehen. Sie ist eine von vier Kirchenlehrerinnen. Letzte Woche habe ich von der heiligen Hildegard gepredigt. Beide (Teresa und Hildegard) haben eine Gemeinsamkeit. Sie blieben nicht in ihrem Kloster, wo sie dann in ihrer Verzückung etwas niedergeschrieben haben, sondern sie waren „bei de Loit“. <— wie man so schön sagt. Hildegard ist von Fürstenhof zu Fürstenhof gezogen und hat den weltlichen und geistlichen Herren ordentlich die Meinung gesagt. Teresa hat unzählige Orte in Spanien besucht, wo sie sich persönlich um ihre neuen Klosterniederlassungen gekümmert hat. Und gerade Teresa ist als Kirchenlehrerin alltagstauglich. Wie hält es an, wie überlebt unser Glaube im Alltag. Das erfahren wir bei Teresa gerade in ihren Anleitungen  zum Gebet.
Sie gibt uns drei Punkte mit auf den Weg:
Innerlichkeit, Demut und Wirksamkeit.
Ein Gebet erfordert Nachdenken. Mit wem rede ich eigentlich? Mit Gott oder einem Sklaven? Schreibe ich IHM nicht zu oft vor, Gott, mach das so. 
Kann man so mit einer Majestät reden?

Die Seele kann sich Christum den Herrn vergegenwärtigen, und sich gewöhnen, seine heilige Menschheit recht innig zu lieben, stets mit ihm zu wandeln, mit ihm zu reden, ihm ihre Bedürfnisse vorzutragen, ihm ihre Widerwärtigkeiten zu klagen. Man braucht hierzu keine besonderen Gebetlein, sondern man spricht nur solche Worte, die dem inneren Verlangen und den Bedürfnissen entsprechen.
Aus diesen Zeilen spürt man richtig das 16. Jahrhundert. Der Beginn der Neuzeit. Es ging in der Neuzeit um das Individuum. Der einzelnen Mensch vor Gott. Und er redet mit Gott. Dieser Gedanke war bei vielen Zeitgenossen Teresa unerhört.
Teresas inneres Gebet ist ein inniges Lieben, ein Mit-Ihm-Wandeln und ein Reden mit einem guten Freund.
Im zweiten und ebenso wichtigen Schritt geht es um Einsicht und Demut.
B. Das Gebet muss in Demut verrichtet werden.
Die Selbsterkenntnis ist etwas so Wichtiges, daß ihr dieselbe nie vernachlässigen dürfet, wenn ihr auch bis zum Himmel euch erschwungen hättet; denn solange wir auf dieser Erde leben, ist uns nichts so notwendig als die Demut. Darum sage ich noch einmal: es ist gut, ja über die Maßen gut, dafür Sorge zu tragen, daß man in dies erste Gemach eintritt, wo man sich mit der Selbsterkenntnis befasst.
Ein berühmtes Sprichwort sagt ja, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.
Und das schöne an Teresa ist, dass sie uns diese Begriffe nicht einfach hinklatscht und voraussetzt, nein, sie erklärt uns, wie man Selbsterkenntnis und Demut am besten gewinnt.
Aber wie gelangt man zur Selbsterkenntnis und damit zur Demut?
durch die Betrachtung seiner Größe lernen wir unsere Niedrigkeit kennen, durch die Betrachtung seiner Reinheit erkennen wir unsere Beflecktheit, durch die Betrachtung seiner, des menschgewordenen Menschensohnes, Demut lernen wir einsehen, wie ferne wir noch von dem rechten Wesen der Demut sind.
Und dabei erwähnt sie ein schlechtes Beispiel. Eine kinderlose Frau wird von allen als unheimlich fromm empfunden; sie betet, spendet und tut alles, was eine solche Frau halt tut.
Mir ist so jemand auch schon oft über den Weg gelaufen. „Mei, Herr Pater, ich tu jeden morgen meine Gebete verrichten. Und ich mache das und das…“.
Wenn man dann aber mal einen Nerv trifft. Die Frömmigkeit in Frage stellt, dann erweckt man nicht selten Wut und Zorn, der in den betreffenden Personen innewohnt.
Und da wird Teresa deutlich. Sie ist ja für ihre deftigen Sprüche bekannt. Das Gegenteil von Demut ist Ehrsucht und die beschreibt sie so:
Die Ehrsucht ist der Seele in jeder Hinsicht schädlich; aber auf dem Wege des Gebetes ist sie eine Pest.
Der dritte und letzte Punkt beim Gebet Teresas ist die Wirksamkeit. Und gerade das macht sie zur alltagstauglichen Kirchenlehrerin. Das Gebet
Meine Töchter, die Liebe muß sich zeigen mitten in den Gelegenheiten und nicht in den Winkeln

viele Gedanken zu Teresa habe ich von hier
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Samstag, 25. Februar 2017

dem Teufel links und rechts eine runter hauen

Seit zwölf Jahren bin ich schon Mönch in Admont und inzwischen fängt man an (wie so ein alter Mönch halt), nostalgisch zu werden. Das waren noch Zeiten, als so viele junge Brüder im Haus waren. Vielleicht geht es Ihnen auch so, wenn Sie an frühere, „bessere“ Zeiten denken: Als die Kirchen noch voll waren, das Geld noch etwas wert und die Probleme weniger; als man die Kinder noch öfters gesehen hat, man noch nicht fremd im eigenen Ort war oder die Leute noch hilfsbereit waren.
Paradiesische Zustände könnte man sich da wünschen. In der ersten Lesung am Sonntag wird das Paradies beschrieben mit vielen Bäumen „verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten“. (Genesis 2,9) Diese Urschuld des Menschen, dass er mit dem, was ihm zukommt, nicht zufrieden ist, bringt ihm schließlich den Rausschmiss aus dem Garten Eden. Wobei Unzufriedenheit doch nicht automatisch eine Sünde ist. Ich finde Leute so wichtig, die sich nicht zufrieden geben. Da geht es dann darum, dass sie sich mit dem Schlechten in der Welt nicht abfinden. Und wie kreativ da manche Menschen sind, das macht mir Mut: Da ist der Lehrer, der Hilfstransporte nach Rumänien organisiert, die Pensionistin die Flüchtlingen Deutsch beibringt, die Hospizbewegung, die den Sterbenden beisteht, die Bauernfamilie, die sich um den einsamen Nachbarn kümmert, der Chorleiter, der aus den zum Teil älteren Sängern noch was rausholt, die Arbeitskollegin, die geduldig zuhört, der Kumpane, der den Trauernden tröstet, der Papa, der sich auch mal um die Kinder kümmert und viele positive Beispiele mehr…
Nein, das Reich Gottes liegt nicht hinter uns. Es liegt vor uns. Und wir sind Gottes Mitarbeiter, damit es sichtbar wird.
Also bin ich nicht traurig, über das was mal gewesen ist, sondern baue mit, wenn Abt Gerhard und Bischof Wilhelm neue Pfade mit uns einschlagen.
„Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ (2. Korinther 6,2)
Man kann gerne in seiner bequemen Wohnung hocken bleiben. Oder man kann dem Teufel links und rechts eine runter hauen, indem man Gutes tut, ein Lächeln weiter schenkt und so das Reich Gottes ein bisschen mehr sichtbar macht.
Übrigens hat Gott auch daran gedacht, dass Adam und Eva nicht zurück in den Garten Eden gehen können. Vorsorglich hat er mal eben Kerubim und loderndes Flammenschwert an den Eingang gestellt. (vgl. Genesis 3,24)

Freitag, 24. Februar 2017

Requiem für einen Verunglückten

Lesungen: 1 Kor 13; Joh 15
Das Evangelium ist ein zärtliches und inniges Bild. Es ist ein Bild das Gott von sich zeichnet und uns anvertraut: Der Sohn und der Vater, die sich gegenseitig lieben.
Diese Texte sollen euch, liebe Trauerfamilie, vor allem darin bestärken, dass Liebe niemals vergeblich ist. SIE BLEIBT.

Wir haben uns heute am Freitag auch zur Sterbestunde Jesu versammelt. Das Sterben Jesu ist gleichermaßen gekennzeichnet von Verlassenheit, aber auch von Vertrauen.
Da ist die Verlassenheit, weil die meisten Jünger Jesu beim seinem Sterben nicht dabei sind. Da ist das Vertrauen, weil er vorher mit ihnen Gemeinschaft und Mahl gehalten hat. Jesus hat seine Jünger schon im Vorhinein darauf vorbereitet, sie getröstet. Und er hat nach seiner Auferstehung eben dieses Mahl wieder gefeiert. Unser christlicher Glaube vertraut darauf, dass wir uns wieder sehen und bei Gott gemeinsam das ewige Hochzeitsmahl feiern.
Da ist die Verlassenheit, weil Maria ihren eigenen Sohn zum Sterben begleiten muss. Da ist das Vertrauen, weil Jesus am Kreuz an seine Mutter denkt und vorsorgt. Ihr empfiehlt sie seinem Lieblingsjünger Johannes an. Das ist von jetzt an deine Mutter. Das ist von jetzt an dein Sohn.
Mit dem Tod eines Menschen sind auch neue Verantwortungen verbunden. Im Tod eines Menschen liegt also immer auch der Auftrag, dass wir uns umeinander kümmern.
Da ist die Verlassenheit, weil Jesus am Kreuz eine tiefe Nacht erlebt. Einige Evangelisten berichten davon, dass er gebetet hat: „Mein Gott warum hast du mich verlassen.“ Die Bibeltheologen erklären das so, dass er den Psalm 22 gebetet hat, der mit eben diesen Worten beginnt. „Mein Gott warum hast du mich verlassen.“ Da ist das Vertrauen, weil eben dieser Psalm mit einem großen Vertrauen endet, das Gott es gut mit uns meint.
Das Gott es gut mit uns meint <— Ich weiß nicht inwieweit sie das glauben können oder wollen? Ich selber kann auch den Sinn dieses Unglücks nicht erkennen. Mein Reden verstockt und ich stehe wie vor einem Rätsel.

aber ich weiß wohl, dass die Frucht der Liebe, die euer geliebter Ehemann, Vater, Sohn und Bruder in euch gepflanzt hat, das diese Frucht bleibt.

Himmlischer Vater, hilf uns, dass die Liebe in uns bleibt.

Donnerstag, 19. Januar 2017

Requiem für einen, der nicht auf die Butterseite gefallen ist

Liebe Trauerfamilie, liebe Schwestern und Brüder.
Beim Requiem und bei der Verabschiedung eines Menschen macht man sich vielleicht auch Gedanken, was es mit der Gerechtigkeit auf sich hat. Habe ich den Verstorbenen immer gerecht behandelt. Hat er gerecht gehandelt und den Himmel verdient? Wo bleibt Gottes Gerechtigkeit in diesem Leben und im Leben nach dem Tod?
Im Evangelium wird immer wieder deutlich, wie die zur Schau gestellte Gerechtigkeit der Menschen dem HERRN Jesus zuwider läuft und wie ER Gottes Gerechtigkeit, denen zuspricht, die im Leben vielleicht zu kurz gekommen sind. Gerade beim heutigen Evangelium wird das deutlich. Etwas polarisierend werden uns da vom Evangelisten auf der einen Seite die Pharisäer und auf der anderen Seite die Hilfsbedürftigen vor Augen gestellt. Dieser arme Kerl aus dem Evangelium wird uns nicht näher vorgestellt. Wir erfahren nicht, ob er zum Beten oder zum Betteln in der Synagoge war. Wir wissen nicht, was er gebetet hat. Ob er Gott angeklagt hat, weil es ihm nur schlecht geht? Ob er Gott Danke gesagt hat, für das Wenige Gute?
Auf jeden Fall kann Gott in unser Herz schauen. Und das macht er dann eben ausgerechnet bei den Pharisäern. Und ER ist entsetzt, traurig und sogar zornig.
Hier wird ein Gedanke deutlich, der sich durch die ganze Heilige Schrift zieht. Gott will das Leben. Er ist ein Gott des Lebens. Er will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt. Und das geht dann soweit, dass der eine Sünder, das eine verlorene Schaf nicht einfach wieder zurück in Reih´ und Glied éingeordnet wird, sondern, dass der Herrgott im Himmel mit allen Engeln und Menschen ein riesiges Fest feiert, wenn nur ein Sünder umkehrt.
Mir kommt vor, dass Du lieber N., jetzt im Himmel mitfeierst. Möge, Dir der Herr Deine Schwächen und Sünden vergeben und mögest Du jetzt in Gottes Licht und vor allem in seiner Freude sein.
In der Benediktusregel heisst es: „Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ Ich muss gestehen, dass ich das bis heute Mittag immer nur auf mich bezogen habe. Aber geht es hier nicht auch darum, dass ich das LEBEN und die guten Tage dem andern gönne und alles dafür tue, dass er gute Tage erlebt?
N. war „nicht auf die Butterseite“ des Lebens „gefallen“ und hatte sein Leben nicht im Griff gehabt. Aber er war gefällig: „Wenn du ihn gebraucht hast, hat er geholfen.“ Davon zeugt auch sein über 40-jähriger Dienst in der Feuerwehr.
Bei meinem Besuch am 01. Dezember habe ich ihm die Krankensalbung und die heilige Kommunion spenden dürfen. Ich habe noch nie in meinem Leben eine so lustigen Schwerkranken erlebt. Und so gilt heute auch mein Dank an allen, die ihn in seiner schweren Zeit unterstützt haben und sein Leben retten wollten. Gerade in den letzten Monaten, wo er durch die Krankheit Angst vor der Finsternis gehabt hat, habt ihr ihm die Angst genommen und wart einfach da.
So steckt in NN. Leben und Sterben auch der Auftrag an uns alle, Leben zu ermöglichen und nicht Leben zu vernichten.

Samstag, 24. Dezember 2016

Heiligabend 2016

Kaum ein anderes Fest ist so herrlich überladen wie Weihnachten und der Heilige Abend davor. Und ehrlich gesagt, finde ich das gar nicht schlecht. Welche Mühe sich das Christkind und seine liebenden Helfer macht. Welche Freude, wenn das Haus geschmückt, man anderen Freuden bereiten darf und man soviel guten Wünsche spendet und empfängt.
Kaum ein anderes Fest ist so sehr mit Erinnerungen belegt wie Weihnachten. Es sind vor allem Kindererinnerungen, die den Zauber dieser Heiligen Nacht ausmachen. Ich denke daran, dass mir jemand erzählt hat, dass sie als Kinder immer mit Schlitten zur Christmette gefahren sind. Und ich finde das so lustig und stelle mir das immer als ein ganz besonderes Fest der Familie vor.
Ich wünsche Ihnen allen, dass dieser Zauber der Heiligen Nacht nicht verfliegt. Und ich glaube durchaus, dass das möglich ist; dass verweilen kann vor der Krippe und vor dem Mensch gewordenen Gottessohn und dass man vergisst, was Schlechtes hinter einem liegt.
Mir ist da gestern Abend etwas eigenartige passiert. Ich habe einen Bruder besucht und mich lange mit ihm unterhalten. Es war ein nettes und gutes Gespräch und wir haben uns beide wirklich sehr gern. Und dann bin ich auf mein Zimmer. Habe mit meinem Handy gespielt und auf einmal gemerkt, dass das ein Video drauf ist. Ich habe aus Versehen ca. 4 min unseres langen Gesprächs aufgenommen. Und da lasse ich mich in diesem Gespräch aus über ein Geschehen, dass schon so lange her ist. Ich muss gestehen, ich wusste gar nicht, wie nachtragend ich bin.
Da fiel mir auf, wir trage nicht nur schöne Kindheitserinnerungen mit uns rum. Wir tragen nicht nur das Gute und Fröhliche im Herzen. Nein, da ist oft soviel Schlechtes, was wir einem anderen nachtragen, WO WIR DOCH AUCH ALLEN GRUND DAZU HABEN.
An Weihnachten ist das vielleicht nicht so und ich möchte ihnen auch nicht die Feierlaune verderben. Aber ich möchte sie einladen mit mir jetzt zur Krippe zu gehen und auch einen Moment Stille zu halten. Vielleicht haben sie einen Gedanken, der sie belastet und immer wieder runter zieht. Nehmen sie diesen Gedanken. Stellen sie sich diese traurige Situation nochmal vor und legen sie diesen Gedanken in die Krippe.
Gott wird doch Mensch. Er hatte rein menschlich gesehen keinen Anlass nochmal mit uns neu anzufangen; hat es aber getan. Fangen wir neu an. So wie er mit uns neu angefangen hat. Nicht nachtragend, sondern bedingungslos liebend.

Mittwoch, 21. September 2016

Requiem - gesegneter Alltag

Liebe Trauerfamilie, liebe Schwestern und Brüder.
  • Totengedenken bedeutet immer auch Trauer, weil man einen lieben Menschen loslassen muss.
  • Totengedenken bedeutet aber auch tiefe Dankbarkeit dafür, dass man diesen lieben Menschen gehabt hat. 
  • Totengedenken bedeutet auch, dass man sich überlegt, was kommt denn nach dieser Schwelle des Todes und dabei stellt man sich vielleicht auch für einen kurzen Moment die Sinnfrage.
Sicher ist man bei einer Trauerfeier immer drauf und dran alles zu organisieren und richtig real und bewusst wird einem der Abschied dann erst in den stillen Abendstunden des Herbstes, bei ruhigem Kerzenschein oder wenn man an Allerheiligen am Grab der Mutter, Schwiegermutter und Oma steht. 

Bei unserm Trauergespräch haben wir kurz darüber geredet, wie denn der Mensch dann in der Ewigkeit ist? Wenn er doch vorher so gebrechlich und in vielem auch geistig eingeschränkt gewesen ist, wie schaut er dann nachher aus?

Die Antwort aus den Evangelien und aus den Paulusbriefen sind schon ziemlich konkret und zum Teil unerhört, da sie ja auch die Auferstehung des Leibes ansprechen.

Wir haben eben aus dem Brief an die Korinther gehört - die Tageslesung am Todestag Eurer Mutter und Oma; den Auferstehungsbericht habe ich aus dem Matthäusevangelium genommen, da wir heute das Fest des heiligen Apostels Matthäus feiern.

Paulus vergleicht Leben und Tod mit dem Säen im Garten oder auf dem Feld. Und hier scheint letztlich der alte Vergleich auf, dass das Weizenkorn, das in die Erde fällt stirbt und dann neues Leben entstehen kann. Dieser Vergleich wird vor allem auf Christus bezogen. Er ist für uns gestorben. Und wir sind durch die Tauf hineingenommen in sein Leben und seinen Tod und seine Auferstehung. Dies ist unser Glaube.
Und hier erwähnt Paulus einen unverweslichen Teil von uns Menschen. Ja er nennt ihn sogar „herrlich“.
Aber nichtsdestotrotz sehen wir nur das verwesliche, irdische bzw. vergängliche.

Gerade beim eben gehörten Lebenslauf erinnerten wir uns an das Gute und Beschwerliche von NN. Dabei denken wir auch an Abstammung im menschlichen Sinn. Paulus weist in seinem Brief auf unsere himmlische Abstammung hin.
Sind wir Menschen nicht vor allem ein Gedanke Gottes. Kommen wir nicht von ihm und kehren zu ihm zurück? Mit allem was uns ausmacht, was wir sind und haben. Bevor irgendwer an uns denkt und sich an uns erinnert, ist es doch der Herrgott, von dem wir entstammen und der uns wieder bei sich aufnimmt.

Auch der Evangelist Matthäus macht deutlich, dass sich bei der Auferstehung nicht nur um ein Weiterleben der Seele in irgendeinem sphärischen Raum handelt.

Da ist von einem Ereignis die Rede, das die Umstehenden erschüttert und verunsichert.

Erdbeben, Furcht, Zittern und Ratlosigkeit. <— Das sind die menschlichen Erscheinungsformen der Auferstehung. Und doch ist in diesem kleinem Bericht über die Auferstehung ein Vers enthalten, der für Theologen unserer Tage neben dem Auferstehungsengel und dem Stein am Grab und dem Erdbeben ebenso hervorsticht und für uns als gläubige Christen entscheidend ist: „Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“

Es ist da wo sie aufgewachsen sind, wo sie Fischer waren und wo sie Jesus zuerst begegnet sind. So ist es der Alltag, Ihr und mein Alltag, wo wir dem auferstandenen Christus begegnen.

Liebe Trauerfamilie. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Alltag. Gemeinsame Tage, in denen sie sich gegenseitig trösten und sich gegenseitig Hoffnung spenden.

Und auch wenn das in einem Requiem eigentlich keinen Platz hat oder keinen Platz zu haben scheint:
Ich wünsche Ihnen ein frohes Herz.
  • Totengedenken bedeutet immer auch die Gewissheit, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Übergang in eine neue Wirklichkeit, wo Eure liebe verstorbene NN jetzt unsern himmlischen Gott schaut.