Freitag, 8. Dezember 2017

das „Ja“ der Frau aus Nazareth

Es gibt so Megaereignisse, wo die halbe Menschheit dabei ist, wo man mitfiebert, sich an den Bildern ergötzt und sich freut.
So zB die Krönung von Queen Elisabeth im Jahre 1953, die im Fernsehen übertragen wurde. Ich denke an die Mondlandung 1969. Ich denke an die Eröffnungen von Olympischen Spielen. Eine solche Farbenpracht. Ein solcher Einfallsreichtum.

Ähnlich habe ich aus der Ferne die Weihe von Bischof Hermann Glettler, dem neuen Tiroler Oberhirten, am Samstag erlebt. ORF III hat live übertragen und ich habe es dann einen Tag später online angeschaut. Glettler hat extra die Olympiahalle in Innsbruck als Weiheort gewählt, damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen können. Und es war eine Feier voller tiefer Symbole. Zu Beginn ließ sich Hermann Glettler von seinen Eltern und seiner Taufpatin ein Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn machen. Die Taufe wirklich als Grund aller anderen Sakramente. Diese Zusage Gottes: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, die Kern und Angelpunkt unseres christlichen Glaubens ist. In seinen Bischofsstab lies Glettler von Gustav Troger eine Pfeffermühle einbauen. Danach gefragt, sagte er: „Ja, weil der Hermann wird auch Pfeffer brauchen.“ Zum Abschluss sah es erstmal aus, wie immer, die Politikergarde schwang ihre Reden. Und leider muss man sagen, dass der steirische Landeshauptmann das Ende nicht fand. Mir geht es ja auch manchmal so, dass ich mich als den Nabel der Welt betrachte; aber Hermann Schützenhöfer treibt das noch zur Spitze. Er lieferte eine Anekdote nach der anderen. So wie ein Pater, der keine Predigt vorbereitet hat. Schließlich sah sich der neue Oberhirte gezwungen, von hinten langsam nach vorne zu gehen und den Landeshauptmann zu umarmen. Sehr wirkungsvoll war das. Der Landeshauptmann musste seine Rede vorzeitig beenden.
In seiner Predigt zitierte der Linzer Bischof Scheuer die Böhsen Onkelz.
Da hab ich mir gedacht, ist ja super, wenn ein Bischof in seiner Predigt zu einer Bischofsweihe die Rockband Böhse Onkelz zitiert, dann kann ich in Zukunft auch jeden und alles als Aufhänger in meiner Predigt nehmen.
Sowas hat man oder hat man nicht
Sowas ist man oder ist es nicht - alle Augen auf mich
Vom Prolet zum Prophet - ja sowas geht, wie ihr seht
Es ist ganz leicht - wenn man weiß, wie es geht. (Lied der Böhsen Onkelz)
Der Mensch - nicht ganz gut - nicht ganz böse - fühlt sich berufen. Unzählige Märchen, Romane oder Filme erzählen diese Geschichte von dem einen, der sich berufen fühlt. Und dann kommt immer auch dieser Moment, wo das Böse von Innen den Helden packt.
Egal ob Spiderman oder Jean-Baptiste Grenouille (Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders)
Es gibt dieses Sündhafte ins uns, wo der Teufel anpacken kann/ einhaken kann. Ich muss gestehen, ich habe jahrelang so gelebt, dass ich gesagt habe, es reicht, wenn ich weiß, dass es dieses Böse in mir gibt. Mittlerweile muss ich sagen, Nein, es reicht nicht. Ich muss es auch bekämpfen und mit Jesus Christus besiegen. Ich darf es an Jesus Christus den Felsen zerschmettern.(vgl. RB Prolog 28)
Dieses Erkennen hat auch Adam im Garten Eden:
Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Gen 3,10
Aber das reicht nicht. Die Sünde, die Abkehr vom himmlischen Vater ist da. Der Mensch erscheint hier in seiner Freiheit, er kann sich von Gott zu lösen. Und dieses Nein hat Adam ausgesprochen. Seither lastet dieses Nein des Geschöpfs auf der ganzen Menschheit.
Ganz anders das „Ja“, der Frau aus Nazareth. Seit sie es gesprochen hat, ist es wieder möglich, dass die ganze Menschheit durch Jesus Christus befreit wird.
Eine Befreiung aus eigener Kraft war dem Menschen nicht möglich.

Bevor Maria ihr Ja gesagt hat, hat Gott schon sein Ja zu seinem Geschöpf gesagt. Er hat sie erwählt und frei von der Schuld Adams gemacht.
Doch frage ich mich jetzt, bin ich durch die Taufe nicht auch von der Erbschuld befreit? Warum sündige ich dann noch? Makellos ist Maria. Makellos bin ich nicht.
Da ist immer noch diese Möglichkeit für den Teufel bei mir einzuhaken.

Bitten wir Gott, dass wir Heilige werden, dass der letzte Funke der Sünde in uns stirbt.
Dies geschieht durch diese Grundhaltung: Ja, Gott ich habe gesündigt, dies geschieht durch die Beichte vor Weihnachten. Dies geschieht durch die Erneuerung meiner Taufe.

Maria erscheint uns Christen als der demütige Mensch, die kleine Magd und zugleich als gekrönte Königin und herrliche Frau.

An ihr sehe ich, was Gnade ist und dass auch Gott mich erlösen kann. Aber warum macht Gott das? Warum lässt Gott Maria ohne Erbsünde entstehen? Warum schenkt ER uns die Erlösung? Weil ER es will. DEUS VULT. ER will es. Willst du es auch?

Sonntag, 3. Dezember 2017

Geschöpf und engelgleich

Am 24. November gab es auf welt.de die Meldung
Schwedische Protestanten machen Gott zum „Es“
Und direkt darunter war zu lesen:
In Schweden sollen Geistliche ab dem kommenden Jahr beim Gottesdienst nur noch geschlechtsneutrale Begriffe verwenden, wenn sie von Gott sprechen. Ausnahme: das Vaterunser. Kritiker sind entsetzt. (Link zum Artikel auf welt.de)
Auf der einen Seite denke ich, dass man gerecht sein muss, dass Gott natürlich kein Geschlecht hat. Das Kirche Frauen wie Männer einbeziehen muss. Man spricht da auch von eine inklusive Sprache.
Auf der anderen Seite habe ich immer im Hinterkopf, dass man mit Sprache eine Gesellschaft eine Kirche verändert und dass es Kräfte in Euroopa gibt, Dir Ihr klares Nein zur Geschöpflichkeit des Menschen sprechen. Sie behaupten dann Mann und Frau sind einfach soziale Konstrukte und nicht von der Natur vorgegeben. Die Kirche hingegen baut immer auf das Naturrecht auf. Da sind eben Mann und Frau nicht einfach Konstrukte, sondern vorgegeben. Selbst die Gnade Gottes baut auf die Natur auf.
Ein paar Tage später habe ich dann erkannt, dass ich einer Falschmeldung aufgesessen bin.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Predigt "das brennende Herz"

In der Werbebranche, aber auch im Alltäglichen Leben verkürzt man oft, treibt auf die Spitze. Wir erkennen das etwa bei der Benediktusregel, die aus 73. Kapitel besteht. Da wird dann aus diesem recht langen Text: Bete und Arbeite. Oder: Bete, Arbeite und Lies (ora et labora et lege).

Ganz verkürzt. Blöd ist nur, wenn man so eine knackige Verkürzung hat und denkt man würde sich auskennen. In der Beneditiktusregel steht natürlich viel mehr drin. Ich denke zum Beispiel an die vielen Anweisungen, was bei Verfehlungen getan werden muss. Oder an die väterliche Güte des Abtes. Oder an den guten Eifer der Mönche. Und dann das Mantra, das sich durch die ganze Regel zieht: „Lass das Murren.“ Moatschgern. Lass das Murren. Lass das Murren.
Die Kurzbeschreibung „Bete, Arbeite und Lies“ findet sich nicht in der Regel, aber man kann sie herleiten. Aber wenn man will, kann man alles herleiten, was man will. „Bete, Arbeite und Lies“ sind auch Dinge, die man alleine tun kann, aber die Benediktusregel zB. ist ja für eine Gemeinschaft von Mönchen geschrieben. Man kann ja sagen: ein Benediktiner ist kein Benediktiner. Das war bei den Mönchen ja nicht immer so. Es gab im 3. Jh in der ägyptischen Wüste die Einsiedler. Daraus hat sich erst mit Pachomius ein Gemeinschaftsleben gebildet. Erst mit der Zeit hat man gemerkt, dass man, wenn man alleine lebt furchtbar sonderbar wird. Man braucht die Gemeinschaft um mit ihr zu wachsen. Die gegenseitige Sorge. Mein gegenüber als Korrektiv. Als wichtiges Mittel um meine Stimmungen im Griff zu halten und vor allem um zu wachsen.
Jesus macht heute im Evangelium klar, dass ohne geschwisterliche Liebe nicht geht. Er fasst das Gesetz (die ersten fünf Bücher der Bibel) auch zusammen. Ganz kurz. Ähnlich haben wir das ja auch in den zehn Geboten: Die ersten drei Gebote für Gott, die anderen sieben für Menschen untereinander. Das ganze Leben ist so im Gleichgewicht und man ist nur wenn man beides lebt in Gott verankert. Jesus reißt in diesem Moment zwei Verse der Thora aus dem Zusammenhang und fügt sie zusammen. Es geht dabei immer um die Liebe.
Liebe ist wie brennendes Herz. Man ist in der Liebe zu Unglaublichem fähig. In der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Nächsten. Da denke ich an Kirchenbauten vor Jahrhunderte. Ich denke an die Pflege von Alten und Kranken. An die Mütter und Väter, die sich trotz ihrer Arbeit Zeit für Ihre Kinder nehmen. Für uns Benediktiner und uns als sonntägliche Gemeinde steht das gemeinsame Gebet und das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes im Vordergrund. Dafür soll man einen Eifer haben. Wir werden motiviert und unsere Wunden werden geheilt.
Liebe ist aber nicht einfach eine Komfortzone. Dieses Feuer der Liebe tut weh, wir sollen uns dem stellen und so wie durch ein Feuer gehen. Läuterung ist das alte Wort dafür.
Wer aus Gott lebt, entscheidet sich zu lieben. Und ein zur Liebe entschlossenes Herz kann grenzenlose Güte ausstrahlen. Frere Roger.

Freitag, 20. Oktober 2017

Predigt Abraham - Maria

Der Völkerapostel Paulus präsentiert uns den „Vater vieler Völker“ (Röm 4,17) als das Beispiel des Glaubens. Und dieses Beispiel hat nichts an Popularität eingebüßt. Ich denke da an mein Ordensleben, wo uns Abraham immer wieder als Vorbild an Herz gelegt wurde; hat er doch alle Sicherheiten verlassen und ist dem Ruf Gottes gefolgt.
Auch spricht man heutzutage gerne von den drei abrahamitischen Religionen, wenn man von Judentum, Christentum und Islam redet, um deutlich zu machen, dass alle drei einen Gott verehren und sich alle drei auf den „Vater vieler Völker“ Abraham berufen.
Aber Paulus geht es selbstverständlich um mehr. Er sucht einen Anknüpfungspunkt im Alten Bund vor und jenseits des Gesetzes, das uns von Gott durch Mose und damit eben erst nach Abraham überliefert wurde.
Der Bund zwischen Abraham und Gott ist älter. Der Bund zwischen Abraham und Gott besteht von menschlicher Seite darin, den Glauben zu haben.
Ach wie töricht sind wir Menschen. Da sprechen wir von abrahamitischen Religionen, tun so, als ob wir alle irgendwie die Wahrheit haben (Ringparabel) und vergessen, dass es nie um Abstammung geht, sondern darum zu glauben. Und Glaube an den lebendigen Gott ist mehr als irgendein sich auf längst Vergangenes zu berufen. Glaube ist das Gegenteil von Furcht und Verstocktheit.
So wie Paulus uns Abraham als Beispiel des Glaubens präsentiert wurde und wird die Kirche nicht müde uns Maria als Beispiel des Glaubens zu präsentieren.
Sie ist analog zum „Vater vieler Völker“, die Frau aller Völker.
Bei beiden (Abraham und Maria) hört man den anfänglichen Zweifel. Wie soll das Geschehen? Wie willst du Gott, mich alten Mann zum Vater so vieler machen? Wie willst du, Gott, mich zur Mutter des Messias machen?
Hier folgt von oben keine lange Erklärung, keine Beweisführung. Hier folgt von oben die wirksame Tat Gottes.

Requiem für eine gastfreundliche Frau

Als ich gestern Abend nach der Heiligen Messe noch kurz in der Aufbahrungshalle war, musste ich staunen über die zahllosen Kränze am Sarg Eurer lieben Tante.
Wenn eine 9x-jährige, kinderlose Frau stirbt, erwartet man eigentlich eine Verabschiedung im kleinen Kreis. Die Gleichaltrigen inklusive der Geschwister sind tot, leibliche Kinder und Kindeskinder gibt es keine. 
Nicht so bei Euch. Dass hat mit Eurem Zusammenhalt zu tun, aber eben auch damit, dass Frau NN - oder Tante N, wie ihr sie liebevoll nennt, - ein besonderer Mensch war und ist.
Die Texte, die ich heute ausgewählt habe, beschreiben, was Gastfreundschaft ist. Abraham, Sara, Marta und Maria - alle vier haben Gott zu Gast. Man merkt richtig, wie wichtig den Autoren der Bibel Gastfreundschaft ist und wie wichtig es ist, seinen Gästen die volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ähnlich habt ihr mir ja Eure liebe Verstorbene beschrieben. klein das Haus - aber umso größer die Gastfreundschaft.
Das erinnert mich auch an Hebr. 13,2: 
Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Wenn ein solcher Mensch - ein solcher gastfreundlicher Mensch - stirbt, ist das auch ein Auftrag an uns alle - an mich als Gastmeister des Stiftes, an Euch als Familie, aber auch an uns alle -, dass wir durch unsere Gastfreundlichkeit die Welt - so wie sie es getan hat - lebenswerter machen.
So wie Gott bei Abraham und Sara aufgenommen wurde, so wie Jesus bei Marta und Maria aufgenommen wurde und so
wie unzählige Verwandte und Freunde im Haus von NN aufgenommen wurden und sich angenommen gefühlt haben, so möge sie jetzt zum himmlischen Hochzeitsmahl eingeladen sein. Amen.

Links:

Freitag, 6. Oktober 2017

Requiem für eine plötzlich Verstorbene

Manchmal hört man, dass man das Leben mit Jahreszeiten vergleicht. Da steht dann (1) der Frühling für das Wachstum & das Lernen in Kindheit und Jugend. (2) Der Sommer für die kraftvolle Zeit der Arbeit und auch der Erziehung der eigenen Kinder und dann (3) der Herbst für die Pension bzw. das Alter. Wir Ennstaler können es vielleicht besser nachempfinden, wenn direkt nach dem Spätsommer ein Wintereinbruch kommt, obwohl der Herbst dann im Normalfall nochmal zurückkehrt.
Bei Eurer Mutter, Tochter, Schwester und Tante gab es diesen Normalfall nicht. Die Zeit des Sommers ist durch den Unfall mit einem Schlag vorbei. Man wünscht sich wie verrückt die Tage des Sommers und der wärmenden Liebe zurück und versteht nicht, was dieser eigenartige Lauf der Welt soll?!
Auch frage ich mich, lieber Schutzengel, wo warst du? Warum bist du nicht da, wenn man dich mal braucht?

Lieber N, liebe Brüder und liebe Mutter der Verstorbenen, liebe Schwestern und Brüder.
Die heutigen Lesungen sind vom Fest Mariä Heimsuchung (02. Juli). Wir erinnern uns daran, wie Maria, die Mutter Jesu, ihre Tante Elisabeth besucht und sich um sie kümmert. Ähnlich war ja eure liebe Verstorbene

Sonntag, 1. Oktober 2017

Verantwortung + Barmherzigkeit

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein, ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ So heißt es in Mt 5,37. Und eben gerade haben wir doch genau das Gegenteil gehört, oder?!. Ist es mit dem Evangelisten wie mit diesem Bekannten, den vielleicht jeder von uns hat: Man muss nur lange genug warten, dann sagt er wieder genau das Gegenteil. Ich hoffe nicht. Als Bibelleser schaut man natürlich immer auf den Kontext. Für wen wurde das geschrieben, wer steht Jesus gegenüber und was hat Jesus zwei bis drei Zeilen vorher gesagt. In der eben erwähnten Stelle spricht Jesus vom Schwören. Das heisst man soll als Christ so sehr in der Wahrheit sein, dass man gar nicht lügen kann. Ich denke hier auch daran, dass man sich selbst oft belügt. Dass man sich etwas vormacht und so nicht mehr fähig ist, seinem Leben eine klare Richtung zu geben.
Heute hingegen geht es im Evangelium um die Arbeit im Weinberg.

Sonntag, 24. September 2017

Predigt zum Hochfest Rupert und Virgil

Lieber Pater Prior. 
Liebe Schwestern und Brüder im HERRN.
Zurück zum Ursprung. So könnte man die Ökobewegung mit drei Wörtern beschreiben und der Hofer hat es sich natürlich sichern lassen.
Zurück zum Natürlichen. Zum Echten, Unverfälschtem. Auch der Städter verlangt danach und kauft sich dann sein gutes Gewissen beim Supermarkt oder Discounter um die Ecke. Wie praktisch. 
Vor 500 Jahren hat Martin Luther angefangen den Ablasshandel anzuprangern. Das heißt die Kirche hat damals irgendwelche Scheine verkauft, mit denen man die Jahre im Fegefeuer verringern konnte.
Manchmal kommt mir diese ganze Ökobewegung auch vor wie ein Ablasshandel. Ich kaufe irgendwelche Ökozertifikate oder eine Elektroauto und denke dann: „Jetzt bin ich ein besserer Mensch.“
Zurück zum Ursprung“. So könnte man auch eine christliche Bewegung mit drei Wörtern beschreiben. Oder besser: „Zurück zu Jesus“. Zurück zur ursprünglichen Jüngergemeinde. Leben wir so, wie es Jesus wirklich gemeint hat. „What would Jesus do.“ WWJD.
Viele Christen verlassen die Kirche; bezeichnen sich weiter als Christen, gar als Katholiken. „Ich kann auch so an Gott glauben, dafür brauche ich nicht die Kirche.“, hört man dann oft.
Das ist nichts neues. Das hat es schon immer gegeben. Speziell denke ich da an die Armutsbewegung um das Jahr 1300, wo sich viele Menschen von der reichen Kirche trennten und das Ideal einer christlichen Gemeinde in der Armut leben wollten. Zugleich gab es dann aber eben auch Heilige aus dem Dominikaner- und Franziskanerorden, die sich dem entgegenstellten. Mit dem Evangelium in der Hand. Es ist demnach eben kein Gegensatz in der Kirche zu sein und Jesus nachzufolgen. Ganz nach dem Motto:
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. (Mt 23)
Man merkt also, wie es diese Diskrepanz schon zur Zeit Jesu gab.
Auch die heutige Lesung aus dem Hebräerbrief läuft darauf hinaus, wenngleich hier die Oberen besser weg kommen.
Gehorcht euren Vorstehern, und ordnet euch ihnen unter. Hebr 13,17
Ein heiliger Franziskus wollte nicht Christsein ohne Papst. Und das ist ihm nicht immer leicht gefallen. Er ist mehrmals nach Rom gezogen um 1) dem Papst klar zu machen, dass es nur ums Evangelium gehen kann und 2) um für sich und seine Brüder den Segen des Papstes zu erbitten.
Das nennt man Demut. Tut weh, aber bringt uns weiter, weil wir so uns selbst und unsere Motive reflektieren.
Wenn ich an die Kirche von Salzburg denke, dann sehe ich Rupert mit dem Salzfass <— das ist nämlich sein Attribut mit dem der Heilige dargestellt wird. Er hat nämlich damals vom Baiernherzog eine Salzquelle in Reichenhall und die Stadt Juvavum geschenkt bekommen. Damit verbunden war auch Reichtum. Aber eben auch die Möglichkeit einen gescheiten Stützpunkt in der Mitte des Baiernlandes aufzubauen, von wo aus man missionieren konnte.
Ja, die Kirche des frühen Mittelalters war gut missionarisch unterwegs, weil sie es verstand neue Strukturen zu schaffen. Wirtschaftlich, kulturell und vor allem auch spirituell sollte Salzburg zum Segen für die heutigen Bundesländer Salzburg, Steiermark und Kärnten werden. Und denke ich auch an die Gründung des Klosters Admont im Jahre 1074.
Als wir am 25. Jänner Abt Gerhard gewählt haben, ging jeder Mönch nachher zu ihm, um ihm unsere Unterstützung zuzusagen. So wie jeder Benediktiner unter seinem Abt lebt, so sind wir alle auf andere hingeordnet. Kirche nennt das Hierarchie. Wortwörtlich übersetzt heisst das heiliger Ursprung.
An dieser Übersetzung wird deutlich, es geht nicht um eine lebensfeindliche Ordnung, sondern um den lebendigen Gott. Gott ist doch der Ursprung, in dem alles beginnt. So sagt Jesus über sich:
Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Joh 12,44
Voll Dankbarkeit denken wir heute an das Wort des Lebens, das uns die iroschottischen Mönche Rupert und Virgil verkündet haben. Voll Dankbarkeit denken wir heute an das Evangelium welches uns vor Jahrzehnten von unseren Eltern, Religionslehrern und Pfarrern froh verkündet wurde. Das Wort Gottes hängt nicht einfach in der Luft wie eine Seifenblase, sondern wird von Mensch zu Mensch weitergereicht. Und hinter jedem Mensch, der mir das Evangelium verkündet scheint Christus Jesus auf und damit auch das menschliche Antlitz Gottes. Amen.

Samstag, 23. September 2017

Predigt zur Hochzeit - der perfekte Tag

Lieber Christoph, liebe Alexandra. Liebe Verwandte und Freunde des Brautpaares. Liebe Schwestern und Brüder.
Der perfekte Tag. Nicht umsonst spricht man ja von Hochzeit, weil alles perfekt sein soll und passen soll. So eine Vollkommenheit gibt es in allen Bereichen: der perfekte Körper, der perfekte Nagellack, der perfekte Ehemann, die perfekte Ehefrau, das perfekte Wetter zum Berggehen, der perfekte Manager, der perfekte Urlaub…
Der Mensch sehnt sich nach Vollkommenheit und (mir geht es dann zumindest immer wieder so) bekommt sie nicht. Ich rede da gern von einer gut geplanten Depression, weil alles anders kommt und man es eigentlich hätte wissen müssen.
Wenn zwei Menschen sich entschließen miteinander zu leben, heißt das auch, dass sie gespannt sind, abenteuerlustig und etwas vom Leben erwarten. Dass sie es gemeinsam wagen wollen und sich gegenseitig unterstützen, wenn es mal nicht so läuft. So nach dem Motto: „You raise me up, so I can stand on mountains. You raise me up, to walk on stormy seas.
In der heutigen Lesung aus dem Kolosserbrief (Kolosser 3,12-17) wird deutlich, wie sehr die Ehe an den Bund erinnert, den Gott mit uns schließt. So wie ein Mensch den anderen wählt, entdeckt und mit ihm Freundschaft schließt, so wird auch der Mensch von Gott erwählt, entdeckt und Gott will mit ihm Freundschaft schließen.
Eine Auserwählung durch einen Menschen hat Folgen. Paulus beschreibt, dass sich der Auserwählte schöner kleidet. Das sieht man ja heute an Euch beiden. Und so ist unsere äußere Kleidung auch ein Bild für die Kleidung unserer Seele: Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld sollen uns bekleiden.
Man kann den Glauben an die Menschheit verlieren. 
Man muss den Glauben an die Menschheit verlieren, wenn man nicht vergibt und Vergebung gewährt. Ich bitte Euch, liebes Brautpaar, aber auch euch alle: Vergebt einander. Lasst diese Bitte des Vaterunsers nicht ungehört verhallen. Lasst dieses heutige Fest nicht ohne Konsequenz für euer Miteinander sein. Die Vergebung hält die Ehe, die Familie, die klösterliche Gemeinschaft, die Kirche, das Menschengeschlecht zusammen.
...wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr! (Kolosser 3,13b)
Ich kenne euch kaum, aber wenn ich euch so ansehe, seid ihr nicht die Typen, die sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden geben. Ganz bewusst habt ihr mir ja geschrieben, habt ihr diesen Lesungstext ausgesucht, der e bisi anspruchsoller ist.
So sagt Paulus hier in einem Vers, was das Wort Gottes eigentlich bewirkt. Paulus hatte damals übrigens kein Siri, sondern einen Sekretär namens Epaphras, der diesen Brief für Paulus niederschrieb.
Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! (Kolosser 3,16)
Hier wird in einem Vers deutlich, wie das Wort Gottes in uns wirkt. Das rechte Wort zur rechten Zeit sprechen und um Herzen Gott ein Lied singen.
Das rechte Wort zur rechten Zeit? Was das heisst, soll folgende Geschichte deutlich machen:
Ein Mann ging einmal am Abend weg, um mit seinen Freunden ordentlich zu feiern. Und irgendwie hat er es dann übertrieben. Er war sowas von zu. Er kam nach Hause und dabei ging nicht nur die Badetür kaputt, sondern er musste sich übergeben und haute eine Lampe kaputt.
Am späten Vormittag des nächsten Tages ist er mit ordentlich Schädelweh aufgewacht. An seinem Bett lag ein Zettel: ….. „Guten Morgen Schatz. Frühstück steht fertig in der Küche, musste noch einkaufen. Bis gleich. In Liebe.…“
Die Ratlosigkeit war groß. Was war geschehen? Er sah sich um und Tür und Lampe waren kaputt und sonst alles leise geputzt.
Da fragte er seine Tochter, die ihn bemerkt hatte. Sie darauf: Du bist gestern total besoffen nach Hause gekommen, hast alles kaputt gemacht und dich übergeben.
Als Mama Dich ins Bett bringen und ausziehen wollte, hast Du zu Ihr gesagt: „Fräulein, hören sie auf, ich bin glücklich verheiratet.“

Lieber Christoph, liebe Alexandra.
Eure beiden Namen haben so was von Stärke. Der heilige Christopherus ist ja der Christusträger und Alexandra heißt ja „die Verteidigerin“ oder „die Beschützerin“.
Ich wünsche Euch körperlich Kraft, aber auch geistig. Dass Ihr den Mut habt Unrecht anzusprechen, den Schwachen zu verteidigen; Ich wünsche Euch, dass dummes Gerede euch nicht erschüttert und ihr Kritik annehmen könnt. Ich wünsche Euch immer das rechte Wort zur rechten Zeit.
Und vor allem seid dankbare Menschen.

verwandter Link:
alle Hochzeitspredigten auf "das hat der Ulli gepredigt"
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Sonntag, 17. September 2017

Erntedank und Macht der Vergebung

Es lohnt sich wirklich immer mal wieder eine Bibel zur Hand zu nehmen und darin zu lesen. Vorher betet man ein kurzes Gebet zum Heiligen Geist. Dann liest man die Schrift und bleibt vielleicht bei einem Vers hängen und meditiert ihn. Das Schöne am Katholischsein beim Lesen der Schrift ist dabei auch, dass wir unser Hirn gebrauchen dürfen. Wir dürfen, ja wir sollen kritisch sein und dabei ruhig auch die Wissenschaft dem ganzen entgegen setzen. Und im Idealfall finden Glauben und Wissen eine Ergänzung, die uns nicht davon abhält an Gott und seiner Herrschaft festzuhalten.
Nennen wir Genesis 1, den ersten Abschnitt der Bibel ruhig einen Mythos. Ich werde nicht müde auch Volksschüler zu fragen, glaubst du, dass die Welt so erschaffen wurde?
Nennen wir Genesis 1 ein Lied auf den Schöpfer. Hier wird erst einmal das Gute in der Schöpfung besungen.

Sonntag, 10. September 2017

Erntedank und die mattheische Gemeindeordnung

Die Internationale Funkaustellung in Berlin (IFA) war angeblich wieder ein großer Erfolg. Da werden jedes Jahr technische Neuheiten vorgestellt. und heuer hies es „Das Smart Home boomt. Die intelligenten Haushaltshelfer sind mittlerweile so gefragt,…“.Da wird uns dann der smart-Kühlschrank vorgestellt: Eine Kamera im Innern erkennt, was im Kühlschrank drin ist und das ist dann so geplant, dass automatisch nachbestellt wird, was gebraucht wird. Wie praktisch. Nicht nur, dass wir dem Ziel einer totalen Überwachung immer näher kommen. Nein, auch das Denken wird uns endlich abgenommen. „smart“ heisst ja „klug“. Der Kühlschrank ist klug und wir sind dumm??!! Oder wie ein bayerischer Journalist scharf formuliert: „Wir sind nicht mehr Mensch, wir sind Kunde. Die ganze Maschinerie dient dazu, uns Plunder zu verhökern, der uns überflüssig macht“.

Dieser smarte Kühlschrank soll an dieser Stelle nur ein Beispiel sein, wie sehr der Mensch sich von einer Produktionsmaschinerie gefangen nehmen lässt.
Auf der anderen Seite bin ich als Admonter Mönch mit Allrad, Smartphone und ohne Kochkünste nicht der Typ, der in den Urwald oder in seine Höhle zurück will. Ich möchte den Fortschritt und ich genieße den Luxus.

Aber ich frage mich am Erntedankfest: Können wir von der Natur lernen? Nein, wir können nicht von der Natur lernen, wenn wir uns anschauen, dass es da auch nur drum geht: Gefressen und gefressen werden.

Samstag, 9. September 2017

Maria und ihr Wohlwollen

Mama von Montecassino- mein Weihnachtsbillett ?Hwst. Herr Abt, Du bist jetzt heute 175 Tage im Amt und wir als Deine Mönche und Deine Haller sind froh heute mit Dir hier zu beten und die Muttergottes um Fürsprache bei Gott zu bitten. Du hast einen starken Anfang hingelegt und wir wollen mit Dir gehen. Auf dem Weg der Gottsuche <— wie Du es mit dem heiligen Benedikt gerne formulierst.
Lieber Pater Prior, Danke für Dein Orgelspiel, aber vor allem heute auch dafür, dass Du mich in den Dienst hier so liebevoll einführst, 
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Wir stehen am Anfang.
Empfängnis und Geburt sind Lebensanfang eines Menschen.
Wenn wir heute das Fest Mariä Geburt feiern, dann ist das ein anderer Anfang.
So kennen wir etwa den Anfang der Schöpfung. Gott schafft die Welt und haucht dem Menschen Leben ein. Aus dem Nichts. Ein unerhörter Anfang. Aber der zweite und größere Anfang beginnt mit Maria. Wir denken hier immer an die Szene, wo Maria ihr Ja spricht. Gabriel erscheint Maria und sie sagt: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. Hätte sie Nein gesagt, dann hätte Gott nicht einfach an die nächste Tür geklopft.
Und doch ist die Lebensentscheidung Mariens nicht eine Sache von Sekunden. Nicht etwas, was nach neun Monaten Schwangerschaft endet. Mutter bleibt man ja sein ganzes Leben.
Wenn wir einen Menschen betrachten, dann ist es ja nicht so, dass wir uns daran ergötzen, was er mal irgendwann gemacht hat, sondern es ist der ganze Mensch, sein ganzes Leben, wo er sich selbst treu bleibt.